Eine bescheidene Lebensretterin
     
   
  Sabine Lindner ist Erzieherin in der Kindertagesstätte Remstädt.  
 
Foto: Peter Riecke Thüringer Allgemeine
 

 

 
Als der Junge Dennis vornüber fiel und kein Lebenszeichen mehr von sich gab, tat Sabine Lindner, was zu tun war. Später bescheinigte ihr der Notarzt, das Schlimmste verhindert zu haben.

Remstädt. Die Geschichte, die hier erzählt wird, hat sich bereits am Montag, dem 11. April, ereignet. Aber erst jetzt mag Sabine Lindner, Kindergärtnerin aus Remstädt, darüber öffentlich sprechen.

Es ist Vormittag, die Eltern bringen ihre Kleinen. Auch die Mutter des fünfjährigen Dennis*, nennen wir ihn einmal so, war vor fünf Minuten da. Das Wetter ist schön, es ist Sport im Garten angesagt.
Erwartungsvoll sitzen die Kleinen auf einer Bank. Plötzlich kippt Dennis vornüber. Sabine Lindner springt hinzu, hebt ihn auf, bringt ihn ins Haus, stellt fest: Der Junge hat keinen Puls, atmet nicht. Ihrer Kollegin ruft sie zu: "Ruf den Rettungsdienst an!" Dann beginnt sie mit dem, was sie als Ersthelferin beim DRK, Träger der Einrichtung, gelernt hat: Abwechselnd Mund-zu-Mund-Beatmung und Herzdruckmassage. Bis nach einer Viertelstunde der Rettungswagen da ist.
Der Notarzt versucht, die Lebensfunktionen zu stabilisieren, damit Dennis die Fahrt zu dem inzwischen herbeigerufenen Hubschrauber übersteht. Der muss nämlich außerhalb des Dorfs landen.

Hatten Sie gar keine Angst?, fragen wir Sabine Lindner aus dem "Zwergenland". "Angst? Überhaupt nicht. In einer solchen Situation überlegt man doch nur, wie man dem Kind helfen kann. Der Schreck überkommt einen erst später."
Jetzt gibt es viele, die der Retterin sehr dankbar sind, ihre Entschlusskraft bewundern und finden, das sollten auch andere Leute erfahren. Doch Sabine Lindner, seit 20 Jahren in diesem Beruf tätig, ist durchaus nicht stolz. Sie hat doch einfach nur getan, was zu tun war! Allerdings empfindet sie Dankbarkeit gegenüber denen, die ihr in diesen wichtigen Minuten beigesprungen sind: "Zwei Eltern, die zufällig da waren, haben mit auf die Kinder aufgepasst. und der kirchliche Seelsorger war da und hat sich um uns gekümmert."  Freilich ein gutes Gefühl ist es schon, wenn man spürt, wie andere Menschen dieses Engagement würdigen: Die Mutter des Jungen sei ihr sehr dankbar, sagt Sabine Lindner. Und auch Bürgermeisterin Eva-Marie Schuchardt habe ihr für ihr entschlossenes Handeln gedankt. Ebenso Sabine Köhler, Vorstand des DRK-Kreisverbands, die gerade nicht im Dienst war, sie aber angerufen habe, und deren Stellvertreter, Andreas Brandau, der gleich selber vorbeigekommen sei, um ihr seinen Dank auszusprechen.

Die Ersthelfer-Ausbildung beim DRK wird alle zwei Jahre wiederholt. Und nicht nur in den vom DRK betriebenen Kindergärten. "Alle neu eingestellten Mitarbeiter unserer städtischen Kindergärten müssen einen entsprechenden Kursus absolvieren", erklärt auf Anfrage Gothas Sozialdezernentin, Marlies Mikolajczak (SPD). "Und alle zwei Jahre müssen sie wieder ran. Mit den Schulungen haben wir ein privates Unternehmen beauftragt."

Organisatorisch ist also alles in Ordnung. Dass aber im Moment der Not auch jemand wie Sabine Lindner da ist, der nicht nur eine Ausbildung absolviert hat, sondern auch die nötige Kraft und Klarheit zum Handeln aufbringt darauf hofft jeder, der sein Kind einer Betreuungseinrichtung anvertraut.

Wenige Tage nach dem Vorfall, Dennis lag noch im Krankenhaus, sagt Sabine Lindner: "Ich habe schon ein paar Worte am Telefon mit ihm gesprochen, endgültig erleichtert bin ich aber erst, wenn ich weiß: Er hat's überstanden."
Und das hat gedauert. Jetzt aber weiß sie: "Ihm geht's gut. Er ist endlich wieder ganz der Junge wie vor dem Ereignis. Im Frühsommer wird er wohl wieder zu uns in den Kindergarten kommen."
Ja, jetzt ist sie endlich erleichtert, das merkt man ihrer Stimme deutlich an.
 
Dieter Albrecht / 18.05.11 / Thüringer Allgemeine
 
 
zum Newsarchiv